DIE LINKE. Neukölln


27. März 2012 Neukölln

Bürger machen mobil für ihr Tempelhofer Feld

Es ist noch schlimmer, als die Bürgerinitiative „100 % Tempelhofer Feld“ gedacht hat. Ihr liegt das komplette Planwerk der „Tempelhof Projekt GmbH“ vor, das der Senat vor der Öffentlichkeit verbergen will.

Demnach ist akribisch ausgearbeitet, dass der Rand des Tempelhofer Feldes, mithin ein Drittel der Fläche, veräußert und bebaut wird, ungeachtet aller Bürgerproteste. Für hochtrabende Vorhaben fehlt aber weitgehend Geld. Daher wird energisch nach „Kofinanzierungen“ und nach privaten Investoren gesucht. Das alles lässt außer Acht, dass die Bürger_innen das Feld in seiner jetzigen Art in Besitz genommen haben.

Die Bürgerinitiative „100 % Tempelhofer Feld“ tritt den Senatsplänen entschieden entgegen. Sie hat einen prägnanten Gesetzentwurf vorgelegt, über den die Berliner_innen in einem Bürgerbegehren entscheiden sollen. Demnach wird jede Veräußerung und Bebauung verboten. Das Areal soll zum Landschaftsschutzgebiet erklärt werden. Dagegen sperrt sich der Senat durch Verzögerungstaktik. Er hat der BI bisher die genaue Einteilung des Feldes in Flurstücke nicht mit geteilt.

Stattdessen setzt die Berliner Stadtregierung alles an die Verwirklichung der für 2017 geplanten Internationalen Gartenausstellung IGA. Ein Drittel der Fläche wird dann eingezäunt, Eintrittspreise von bis zu 15 Euro pro Person sollen die Kosten für das gigantische Vorhaben decken. „Kein Berliner braucht diese IGA auf dem Tempelhofer Feld!“, kontert die BI „100 %“ dieser „vorweg genommenen Privatisierung und Steuergeldverschwendung“. Ebenso soll für 270 Millionen Euro am Tempelhofer Damm die neue Berliner Zentralbibliothek entstehen. Mitglieder der Bürgerinitiative 100 % haben aufgezeigt, dass eine Haus-in Haus-Lösung für das alte Flughafengebäude möglich und kostengünstiger ist. Angeblich hat das auch der Senat intern errechnet.

Thomas Hinrichsen

Weitere Informationen der Bürgerinitiative hier

 

„Die Menschen wollen den Park wie er ist.“

Interview mit Katrin Lompscher, Wohnungspolitische Sprecherin der LINKEN im Abgeordnetenhaus von Berlin. Sie war bis Oktober 2011 Senatorin für Umwelt und Verbraucherschutz. Ökologische Untersuchungen auf dem Tempelhofer Feld fielen in ihr Ressort.

Thomas Hinrichsen: Welche klimatische Bedeutung hat das Tempelhofer Feld für den Luftaustausch in Berlin?

Katrin Lompscher: Zwar sind die Untersuchungen zu Tempelhof seinerzeit nicht in der Umweltverwaltung gemacht worden. Das ändert aber nichts daran, dass die klimatische Bedeutung des Tempelhofer Feldes gar nicht unterschätzt werden kann. Vor allem für die Abkühlung und für die Luftreinhaltung ist die große Freifläche ein Segen für die Stadt

Thomas Hinrichsen: Bleibt diese klimatische Funktion erhalten, wenn bis zu einem Drittel der Fläche des Feldes bebaut werden soll, wie der Senat es will?

Katrin Lompscher: Hier ist die Rechnung ganz einfach: Je mehr Versiegelung und Bebauung, desto geringer die klimatische Wirkung.

Thomas Hinrichsen: Der Senat hat noch zu Zeiten der alten Koalition aus CDU und SPD, unter Peter Strieder, Gutachten vorgelegt, die genau das Gegenteil besagen.

Katrin Lompscher: Alte Gutachten, zumal wenn sie nicht transparent erstellt worden und öffentlich zugänglich sind, helfen uns in den aktuellen Debatten nicht weiter. Soweit ich die Lage beurteilen kann, besteht bisher kein Konsens über die weitere Entwicklung. Dennoch treibt der Senat seine Planungen unbeirrt voran und plant Millionenbeträge schon in den nächsten 2 Jahren für Baumaßnahmen ein. Das geht nicht.

Thomas Hinrichsen: Die Menschen haben von dem riesigen Feld Besitz ergriffen, indem sie es in der jetzigen Größe zur Erholung, zum Sport, zum Hundeauslauf und zur Geselligkeit nutzen.

Katrin Lompscher: Das ist auch meine Beobachtung. Und es zeigt, was die Menschen wollen. Deshalb hat DIE LINKE ja schon in ihrem Wahlprogramm gefordert, dass alle weitergehenden Überlegungen und Planungen kritisch überprüft werden.

Thomas Hinrichsen: Die Bürgerinitiative „ 100 % Tempelhofer Feld“ hat einen Gesetzentwurf für ein Bürgerbegehren veröffentlicht, der das Feld in seiner Gesamtheit erhalten soll.

Katrin Lompscher: Ich verstehe diesen Vorschlag als wichtigen und notwendigen Beitrag zur Debatte um die Zukunft des Tempelhofer Feldes. Die jetzt konzipierte Baufeldentwicklung ist aus meiner Sicht deutlich überzogen. Allerdings will ich als gelernte Stadtplanerin nicht für alle Ewigkeit ausschließen, dass es sinnvolle Ergänzungsbauten geben könnte, zum Beispiel für soziale Zwecke.

Quelle: http://www.die-linke-neukoelln.de/nc/politik/news/detail/artikel/buerger-machen-mobil-fuer-ihr-tempelhofer-feld-1/