Zurück zur Startseite
10. März 2016 Neukölln

Zur Umbenennung eines Stadtplatzes zu Ehren von Jugendrichterin Kirsten Heisig

„DIE LINKE hat sich in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung nicht für die Benennung der Straße oder eines Stadtplatzes nach Kirsten Heisig ausgesprochen, da ihr Name in den Medien für eine 'Law and Order-Politik' steht, die DIE LINKE grundsätzlich ablehnt“.

Das erklärt der Sprecher des Neuköllner Bezirksverbandes DIE LINKE Moritz Wittler anlässlich der am 11. März 2016 erfolgenden Benennung der Platzanlage an der Emser Straße und Kirchhofstraße in Kirsten-Heisig-Platz. „DIE LINKE ist der Meinung, dass mehr Straßen nach verdienten Neuköllnerinnen benannt werden sollten, dafür hätte es aber andere, sinnvollere Namen gegeben“, so Wittler weiter.

DIE LINKE lehne zum Beispiel die von Heisig geforderte geschlossene Heimunterbringung für jugendliche Straftäter als falsch ab. Höchst problematisch wurden ihre Aussagen da, wo sie ethnische Merkmale als ursächlich für die Gewaltkarrieren benannte. Damit habe sie rassistische Diskurse zumindest befördert.

Zum Hintergrund:

Kirsten Heisig (*1961 in Krefeld † 2010 in Berlin) war eine Juristin und Autorin. Ab 2008 war sie als Jugendrichterin am Amtsgericht Tiergarten für den Bezirk Neukölln zuständig.

Am 27. November 2015 hat die Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung beschlossen, die Platzanlage an der Emser Straße und Kirchhofstraße in Kirsten-Heisig-Platz zu benennen. Die BVV-Fraktion DIE LINKE hat diesem Beschluss nicht zugestimmt.

Im Gegensatz zu den von Kirsten Heisig propagierten Maßnahmen ist DIE LINKE der Ansicht, dass die soziale Schieflage der Gesellschaft die Gewalt hervorbringt. DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass jeder Jugendliche mitgenommen wird. DIE LINKE geht davon aus, dass nur eine gute soziale Infrastruktur, gute Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten und die Bekämpfung von Armut und Arbeitslosigkeit den Kampf gegen Kriminalität nachhaltig voranbringen.

Auch von wissenschaftlicher Seite wurde Heisigs Herangehen oft als falsch kritisiert. So legte der Kriminologe Wolfgang Heinz in seinem Eröffnungsvortrag des 21. Deutschen Jugendgerichtstags als Fazit über jugendliche Gewaltkarrieren dar: „Frühzeitige und einschneidende Eingriffe sind nicht besonders wirkungsvoll, sondern besonders gefährlich. Eine ,Strategie des Zuwartens‘ zeitigt bessere Ergebnisse. Milde zahlt sich aus.“

Kirsten Heisig war in Neukölln vor allem populär, weil sie auch nach Feierabend Informationsveranstaltungen für Eltern angeboten hatte. Das zeugte von ihrem ehrlichen, persönlichen Einsatz. Die von ihr wiederholt vorgetragene Kritik am Stellenabbau in der Jugendhilfe teilte die Fraktion DIE LINKE.