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6. November 2015 Neukölln

Völlig unzureichende medizinische Versorgung für die Menschen in der neuen Neuköllner Flüchtlingsunterkunft

„Es ist unbedingt notwendig, das es eine Änderung der gesundheitlichen Versorgung in der neuen Notunterkunft für Geflüchtete in der Sporthalle am Buckower Damm gibt“, fordert Thomas Licher, Gesundheitspolitischer Sprecher der LINKEN in der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung. „Die Menschen brauchen vom ersten Tag an Zugang zum deutschen Gesundheitssystem. Sonst sind dauerhafte Schäden oder sogar schlimmeres nicht auszuschließen.“

Die Menschen in der Notunterkunft sind noch nicht als Asylsuchende registriert. Gegenwärtig dauert dies rund zwei Monate. In dieser Zeit gibt es für sie keine normale gesundheitliche Versorgung. Als Notmaßnahme ist jetzt der bezirkliche KJGD (Kinder- und Jugendgesundheitsdienst) und ein Notarzt vor Ort und hilft. „Das ist aber nicht die vordringliche Aufgabe des KJGD und trotz großem Engagement der MitarbeiterInnen können sie keine adäquate medizinische Versorgung ersetzten“, so Licher. Auch die Ausstattung ist unzureichend: In der in der Unterkunft fehlen derzeit dringend Thermoskannen und Fieberthermometer.

Verschärft wird die Lage, weil viele der Flüchtlinge wegen der kalten Witterungsbedingungen krank sind. Bei den Erwachsenen sind es vor allem Erkältungskrankheiten, Kinder haben häufig Magen-Darm-Probleme. Beides ist in einer Sammelunterkunft ausgesprochen problematisch. Wegen der Massenunterbringung stecken sich die Menschen gegenseitig an. Hinzu kommt, dass viele wegen des langen Marsches Probleme mit den Füssen haben. Auf der Flucht sind Brillen verlorengegangen, den Betroffenen fehlen die Sehhilfen sehr.

Zum Hintergrund:

Am Abend des 2. November 2015 wurde die Doppelstocksporthalle am Buckower Damm 282 vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) kurzfristig als Notunterkunft für bis zu 200 Flüchtlinge beschlagnahmt. Der Bezirk hatte nur fünf Stunden Zeit, um die Halle zu übergeben. Als die Vorbereitungen beginnen sollten, trainierten in der Halle noch die Handballer des SV Buckow. Die Sportler beendeten ihr Tranig und halfen dankenswerterweise bei der Umwandlung ihrer Trainingshalle in eine Notunterkunft.

Weil es noch keine Betten gab, wurden die Sport-Matten und die angelieferten Matratzen auf den Boden ausgebreitet. Dann kamen bereits die Geflüchteten. Sie waren von der zum Teil monatelangen Flucht, vor allem aus Syrien, völlig erschöpft und haben sich gleich nach ihrer Ankunft auf den Matten niedergelegt.

Der normalerweise in der Hallen stattfindende Schulsport soll zum größten Teils in benachbarten Schulen weiter erfolgen.

Presseinformation DIE LINKE.Neukölln vom 6. November 2015