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4. November 2011 Neukölln

Ni’lin, Palästina: Leben an der Mauer

Friedensverhandlungen, Checkpoints, illegaler Siedlungs- und Mauerbau

 

Es wird viel gesprochen und verhandelt in diesen Tagen, Verhandlungen die das Leben der Palästinenser betreffen, doch: Wie sieht das Leben in einem kleinen palästinensischen Dorf nahe der Grünen Linie – der offiziellen Grenze zwischen Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten – direkt an der von Israel gebauten Mauer überhaupt aus? Was sind das eigentlich für Menschen über die da verhandelt wird, wie und wovon leben sie? Wie sieht ihr Alltag aus?

Die deutschen Medien sind weit davon entfernt, eine Antwort auf diese Fragen zu liefern. Auch wer Israel und die großen Städte der Westbank, wie Ramallah oder Nablus bereist, kommt ihr nicht viel näher.

Der Weg von Ni’lin nach Ramallah ist nicht weit und doch ist es, als würde man in eine völlig andere Welt eintauchen: In dem 5000-Einwohner Ort Ni’lin gibt es keine Marktstraßen, keinen Busbahnhof, keine Kulturstätten und öffentlichen Parks. In Ni’lin gibt es Wohnhäuser, Schulen, wenige Läden für die Waren des täglichen Bedarfes – und: die Mauer.

In Ni’lin gibt es auch unzählige Arbeitslose, nächtliche Razzien, Schüsse, Verletzte, Verhaftete, Tote – und den friedlichen Widerstand gegen Landnahme, Besatzung und Mauer, der auch international zunehmend Aufmerksamkeit bekommt. Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera hat im August begonnen für eine Dokumentation zu recherchieren, die berichten wird, auf welche Weise der Widerstand in palästinensischen Dörfern wie Ni’lin den „arabischen Frühling“ inspiriert hat.

„Es geht uns nicht um eine Einstaaten- oder eine Zweistaatenlösung, es geht nicht um Namen, es geht um einen gerechten Frieden, um Freiheit und es geht um unsere Würde!” sagt Saeed Amireh (20), der zur Zeit eine Rundreise durch Europa macht.

Saeed selber wurde als Aktivist während gewaltloser Demonstrationen bereits mehrfach angeschossen, er wurde verhaftet und im Alter von 17 Jahren für vier Monate eingesperrt. Aber nicht nur er, sondern seine ganze Familie ist am Widerstand beteiligt und von dem oft brutalen Vorgehen der israelischen Soldaten betroffen: zwei seiner Schwestern wurden angeschossen und sein Vater, Ibrahim Amireh, war, als einer der drei Anführer des friedlichen Widerstandes in Ni’lin, für ein Jahr inhaftiert. Durch eine von vielen Menschen, auch hier in Deutschland, unterstützte Kampagne konnte genügend Geld gesammelt werden, um ihn und die beiden anderen zeitgleich verhafteten Anführer freizukaufen.

Saeed wird, mit Hilfe von reichlich Bildmaterial, auf eine sehr persönliche und eindrückliche Weise über den Widerstand und das Leben in dem Dorf Ni’lin berichten. Freitag, 4. November, 19.00 Uhr Coop Antiwar Cafe, Rochstr. 3 (U8 Weinmeisterstraße, S-Bahn Hackescher Markt/Alexanderplatz). Moderation: Inge Höger MdB

Saeed Amirehs Deutschland Tour wird von dem Deutschland Koordinierungskreis Palästina-Israel (http:/kopi-online.de) organisiert.

Die Berliner Veranstaltung wird von den folgenden Organisationen unterstützt: Attac Berlin, BAOBAB-Infoladen, BDS Gruppe Berlin, CODEPINK Germany, Deutsch-Palästinensische Gesellschaft, Interkulturelles Zentrum für Dialog und Bildung, Internationale Liga für Menschenrechte, Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost, DIE LINKE (LAG Frieden und Internationale Politik, LAK „für einen gerechten Frieden im Nahost“, Bezirk Neukölln, BO Wedding-Gesundbrunnen), marx21 Magazin, Nahostkomitee in der Berliner Friedenskoordination (Friko)