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2. September 2009 Neukölln

Raus aus Afghanistan!

Der 2. Weltkrieg wäre ohne die Machtübertragung an die Nazis nicht möglich gewesen. Aber heute herrscht wieder Krieg - in Afghanistan sind deutsche Truppen daran beteiligt.

Über diesen Spannungsbogen diskutierten die Neuköllner LINKEN am Antikriegstag 2009. Vor genau 70 Jahren begann am 1. September 1939 mit dem Überfall deutscher Truppen auf Polen der 2. Weltkrieg. Deshalb erinnerten die LINKEN an Neuköllner Jugendliche, die vom ersten Tag des Krieges an zum Widerstand aufriefen und zum Beispiel Flugblätter druckten und verbreiteten: an die Gruppe um den Buchdrucker Heinz Kapelle und an ehemalige Schüler der Rütli-Schule um Hanno Günther. (Siehe dazu: Neu-Köllnisch 6/2009, Seite 4.)

Werner Gutsche, Jahrgang 1923, berichtete als Zeitzeuge darüber, wie die Nazis versuchten, alle Lebensbereiche zur Kriegsvorbereitung zu beeinflussen. F?r ihn aber war der Zusammenhalt der Arbeitersportler, Kommunisten wie Sozialdemokraten, in „seinem“ Verein Schwimmunion Neukölln wichtige Orientierung für sein Leben. Auch sein Ausbildungsmeister bei Telefunken, ein alter Sozialdemokrat, bestärkte ihn in der antifaschistischen Gesinnung. Trotzdem musste er nach seiner Lehre die Wehrmachtsuniform anziehen. Werner Gutsche: „Nach Kriegsende  war es für mich selbstverständlich, im antifaschistischen Jugendausschuss mitzuarbeiten. Hier traf ich Erich Ziegler aus der Widerstandsgruppe um Heinz Kapelle. Er kam aus dem Zuchthaus Brandenburg nach Neukölln zurück. Unsere Losung war: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus“.

Diese Schlussfolgerung war in der Diskussion die Brücke in die Gegenwart. „Nie wieder Krieg“ bedeutet heute, die Truppen aus Afghanistan abzuziehen, um dem Land die Chance zu einer friedlichen Entwicklung zu geben. Und „Nie wieder Faschismus“ bedeutet, den Nazis heute keinen Raum zu lassen; weder auf der Straße, noch in den Köpfen, noch in den Parlamenten.

Klaus-Dieter Heiser