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24. Juli 2009 Neukölln

Gemeinsam gegen Islamfeindlichkeit und Rassismus

Rund 300 Menschen versammelten sich am 24. Juli vor dem Rathaus Neukölln, um das öffentliche Schweigen über den Mord an der Ägypterin Marwa El Sherbini zu brechen. Sie wurde im Landgericht Dresden von dem Angeklagten erstochen, den sie wegen rassistischer Beleidigung angezeigt hatte. Er hatte sie als „Terroristin“, „Islamistin“ und „Schlampe“ bezeichnet. Die arabischen Vereine hatten zu der Kundgebung aufgerufen, um gegen Islamfeindlichkeit zu protestieren und Marwa-El-Sherbini zu gedenken. Rund 300 Menschen nahmen teil. Sie trugen Transparente mit der Aufschrift: "Ein Mord im Landgericht, keiner redet, keiner spricht." und "Schluss mit der Diskriminierung" und "Islam ist eine Religion - kein Sicherheitsrisiko". Keiner wollte sich die Angriffe, Gewalt und Beleidigungen mehr bieten lassen, die Muslime in Deutschland seit dem 11. September ausgesetzt.



Die Moderatorin der Veranstaltung kritisierte Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister Schäuble (beide CDU), die den Mord im Landgericht nicht eines politischen Wortes würdig fanden. Die Moderatorin empörte sich, dass Merkel nicht einmal dem Ehemann ihr Beileid ausgesprochen hat, sondern die rassistische Tat bloß als diplomatisches Problem der deutsch-ägyptischen Beziehungen sah. Der Imam der Neuköllner Moschee in der Finowstraße, Ferid Heider, betonte in seiner Rede, dass Marwa ermordet wurde, weil sie Muslimin war und Kopftuch trug. Er brachte die ganze Trauer und Wut der Anwesenden über die alltägliche Islamfeindlichkeit, die Hetze der Medien und der konservativen Politiker zum Ausdruck.

DIE LINKE.Neukölln war mit Fahnen und Flugblättern auf der Kundgebung präsent. Ruben Lehnert, Direktkandidat der Neuköllner LINKEN zur Bundestagswahl, sagte, in Deutschland stünde die NPD an der Spitze der Islamhetze. Er rief die Anwesenden auf, gemeinsam zu verhindern, „dass sich bei uns in Neukölln die alten und neuen Nazis breit machen“. Lehnert sagte außerdem, dass „auch konservative Politiker, insbesondere von der CDU und der CSU, immer wieder versuchen, mit ausländerfeindlichen Kampagnen Stimmung zu machen“ und erinnerte an die fremdenfeindlichen Kampagnen der CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch und Jürgen Rüttgers an. Niemand dürfe sich dabei auf Herrschenden und ihre Medien verlassen, sagte der 30-Jährige: „Sie säen Vorurteile gegen den Islam, um ein Feindbild aufzubauen und so ihre Erdöl-Feldzüge im Nahen Osten zu rechtfertigen und unseren gemeinsamen Kampf gegen Arbeitsplatzabbau und Sozialkürzungen zu schwächen. Die Rede und die Flugblätter der LINKEN fanden guten Anklang.

Gegen Islamfeindlichkeit und Rassismus bleibt viel tun. Die Kundgebung war ein guter Anfang.

Lucia Schnell