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27. Januar 2008 Neukölln

Die Stimmen afghanischer Frauen

Buchpräsentation mit lebhafter Debatte in der Neuköllner Galerie Olga Benario. Elaheh Rostami-Povey, die bereits für die UNO über die Lage der Frauen in Afghanistan berichtet hatte, stellte sich den vielen Fragen zu den Lebenslagen afghanischer Frauen.

Über die Frauen in Afghanistan wird viel gesprochen, sie selbst kommen selten zu Wort.

Elaheh Rostami-Povey hat ihnen zugehört, in Afghanistan, in Flüchtlingslagern und im Exil. „Ich war überrascht, dass viele über die Herrschaft der Taliban erleichtert gewesen waren, nach dem Morden und den Vergewaltigungen im Bürgerkrieg.“ Doch nun durften die Frauen ihre Häuser kaum mehr verlassen, Schule war für Mädchen tabu. Aber: „Die afghanischen Frauen waren keine passiven Opfer – und die meisten afghanischen Männer keine Machos“, erkärte Dr. Rostami-Povey auf der gemeinsamen Veranstaltung des Arbeitsgruppe Frieden der Neuköllner Linken und der Galerie Olga Benario Ende Januar. Die Frauen bildeten Netzwerke und unterrichteten mehrere hundert Mädchen zu Hause, unter dem Denkmantel von Heimarbeit, mit Unterstützung ihrer Männer. „Wenn die Taliban davon erfuhren, folterten oder töteten sie die Männer. Wie viele westliche Männer würden das für ihre Frauen tun?“

Afghanische Frauen kennen ausländische Interventionen seit 1979. Wie damals wirft der Krieg heute die Frauen um Jahrzehnte zurück, bringt Armut, Analphabetismus, Prostitution. Die Frauen lehnen die Besatzung ihres Landes ab. „Und sie fragen: Warum haben wir in sechs Jahren, seit die NATO im Land ist, von dem angeblichen Wiederaufbau nichts gesehen?“

Das englischsprachige Buch von Rostami-Povey kann in der Galerie Olga Benario, Richardstr. 104 ausgeliehen werden.