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6. Dezember 2007

„Stolperstein“ für Olga Benario in der Neuköllner Innstraße

Der Künstler Gunter Demning, der die "Stolpersteine" gestaltet , mit dem Stein für Olga Benario vor der Innstraße 24.

Seit dem 10. Dezember 2007 erinnert vor dem Haus Innstraße 24 ein „Stolperstein“ an Olga Benario. Hier, vor ihrer letzten (illegalen) Wohnung in Deutschland, wurde für eine jüdische Kommunistin und Antifaschistin ein Denkzeichen ins Pflaster des Gehwegs eingefügt, wenige Tage vor ihrem 100. Geburtstag am 12. Februar

Olga Benarios Weg führt von München, wo ihr die Prozessakten auf dem Schreibtisch ihres Vaters, eines sozialdemokratischen Rechtsanwalts jüdischer Herkunft, das Elend der Arbeiter vor Augen geführt hatten, nach Berlin-Neukölln. Seit 1925 in der Bezirksgruppe des  Kommunistischen Jugendverbandes aktiv, wirkt sie besonders unter den Lehrlingen und jungen Arbeitslosen. Nach der von ihr mit organisierten spektakulären Gefangenenbefreiung ihres Genossen und Freundes Otto Braun aus dem Untersuchungsgefängnis Moabit muss sie Deutschland verlassen. 1935 geht sie von Moskau aus nach Brasilien, wird dort im September 1936 verhaftet und hochschwanger an die Gestapo nach Deutschland ausgeliefert. Ihre Tochter Anita Leocadia kommt am 27. November 1936 im Frauengefängnis in der Barnimstraße zur Welt. Nach mehrjähriger KZ-Haft, darunter drei Jahre im KZ Ravensbrück, wird Olga Benario 1942 im Todestrakt der „Heil- und Pflegeanstalt“ Bernburg ermordet.

In einem „Kalenderblatt“ des Deutschlandfunks erinnert Stefan Fuchs im September 2006 an Olga Benario: „Sie ist eine Ikone der politischen Linken: Olga Benario Prestes. In ihrer Wahlheimat Brasilien kämpfte die gebürtige Deutsche in den 30er Jahren mit ihrem Mann Carlos gegen die Diktatur des Hitlerverehrers Vargas. Vor 70 Jahren ordnete dieser ihre Auslieferung an Nazi-Deutschland an, wo sie nach sechs Jahren Haft in den Gaskammern ums Leben kam.“
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kalenderblatt/542376/

Zum Projekt „Stolpersteine“ siehe auch das Interview mit Erica Fischer in der Zeitung der Neuköllner LINKEN, „Neu-Köllnisch“ 9/2007, Seite 3.