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9. Januar 2017 Linksfraktion in der BVV

Neuköllner Filz trifft sich zur Verleihung der Neuköllner Ehrennadel

 Bei der jährlichen Verleihung der Neuköllner Ehrennadel, die das Bezirksamt seit 1984 traditionell an Personen vergibt, die sich im Bezirk Neukölln durch besondere Verdienste einen Namen gemacht haben, zeigte sich wieder einmal, für welches Klientel das Herz der SPD wirklich schlägt. Obwohl in der Vergangenheit auch Persönlichkeiten wie Werner Gutsche für sein antifaschistisches Engagement und die Aufarbeitung von NS-Verfolgung im Bezirk geehrt wurden,  enttäuschte die Auswahl der Kandidatinnen und Kandidaten dieses Jahr. In diesem Jahr wurden neben der Bienenzüchterin Sigrid Zeuner, der Chorleiterin Gudrun Timm, dem in der Schule am Regenweiher engagiertem Unternehmer Michael Zeise und der für Seniorenbelange eintretende Benno Wischer auch der Hotelier des Estrel-Hotels Ekkehard Streletzki geehrt. Unbestritten haben die geehrten Menschen Großes geleistet und ihr Engagement für Neukölln ist wichtig. Empörend ist jedoch, dass es dem Auswahlgremium der BVV wichtiger scheint Unternehmer und Hoteliers zu ehren als beispielsweise die ehrenamtlich Tätigen in den Hangars und Turnhallen, die in den letzten zwei Jahren dort einsprangen, wo Politik und Verwaltung versagten und unermüdlich Geflüchtete durch Deutschkurse, Behördengänge und emotionalen Beistand unterstützten. Nach dem Festakt bei einem opulenten Mahl im Ochsenstall des Schloss Britz nahm die Neuköllner SPD in kleiner Runde den neuen Baustadtrat Neuköllns, Jochen Biedermann von den Grünen, in die Zange. Dieses Ressort der Stadtpolitik wird die SPD, deren Verbindungen zum Berliner Baugewerbe legendär sind, nur ungern abgegeben haben. Daher versuchten sie nun, auf inoffiziellem Wege sich für die Interessen des Besitzers des Hotel Estrel, Ekkehard Strelezki, einzusetzen. Dem Unternehmer, der an diesem Abend die bezirkliche Ehrennadel erhielt, gehören neben dem Eventhotel an der Sonnenallee ein Luxushotel neben dem KaDeWe und das Hotel und Restaurant im Schloss Britz. Außerdem ist er an vielen weiteren Firmen beteiligt, die u.a. teure Eigentumswohnungen bauen. Bis 2018 plant Streletzki eine Erweiterung seines Hotels an der Sonnenallee durch einen 176 Meter hohen Hotel-Turm. Da die neue Stadtentwicklungssenatorin von der LINKEN, Kathrin Lompscher, sich kritisch gegenüber dem Bau von Wolkenkratzern geäußert hatte, sieht Streletzki nun sein Expansionsprojekt in Gefahr. Nun solle doch mal von der Verwaltung geprüft werden, ob Frau Lompschers Pläne für den Hotelier gefährlich werden könnten, schließlich würden an dem Projekt viele Arbeits- und Ausbildungsplätze hängen. Fragt sich, ob Streletzki wirklich nur für seine Benefiz-Veranstaltungen und Obdachlosen-Weihnachtsfeiern geehrt wurde oder für den Bau weiterer Hotelanlagen. Hier offenbart sich selbst in der Neuköllner Bezirkspolitik ein filziges Gekungel aus Unternehmern und Parteien. Man darf gespannt sein, welche illustre Persönlichkeit im nächsten Jahr die Ehrennadel erhält…